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30 November 2023

Calkant

Jetzt ist wieder Zeit, alle Orgeln im Land aufzupumpen, damit sie den vielen, vielen Advent- und Weihnachtskonzerten dienen können. Denn Weihnachtskonzerte werden auch von gänzlich unchristlichen Menschen geliebt und besucht.

"Ein Kalkant bzw. Calcant (von lateinisch calcare „treten“), auch Balg- bzw. Bälgetreter genannt, ist ein Helfer, der durch das Bedienen von Blasebälgen die Luftversorgung eines Orgelinstruments sicherstellt. Einen Jugendlichen in dieser Tätigkeit nannte man bisweilen Orgelbub". (Wikipedia)

Nun, ich war weder ein Bub, noch jugendlich, sondern grade erst neun oder zehn, aber das Treten des Blasebalgs, bevor auch jene kleine Orgel in der kleinen Kapelle im Süden Neuköllns elektrifiziert wurde, hat mir ziemlich viel Spaß gemacht. Genauso wie das Glockenläuten per Seil oder das Umblättern der Organisten-Noten.

In der Abbildung oben sehen wir einen Kalkanten, der per Knopfdruck aktiviert wird. Er arbeitet in Johannisthal.

07 Dezember 2011

Saxophonisten

 ...halten nicht stille.


02 August 2011

Vögelein zwitschern


Neulich auf dem U-Bahnhof. Linie 7, Richtung Rudow.
Eine Gruppe circa 16jähriger Jungen und Mädchen kommt die Treppe herunter und bleibt nahe der Bank stehen, auf der ich sitze und auf den Zug warte. Vom anderen Ende des Bahnhofs tönt Brahms herüber, eine einsame Geige ohne Orchester-Playback aus dem Kassettenrecorder und viel zu schnell, so dass schon mal hier und da die eine oder andere Phrase unter den Tisch, beziehungsweise zwischen die Schottersteine der U-Bahngleise fällt.
Ahmed und Hasan sondern sich von der Gruppe ab und stehen nun ganz nah bei mir.
"Du musst einfach so sein, wie du bist", sagt Hasan eindringlich zu Ahmed und Ahmed zuckt mit den Schultern.
"Doch, gerade bei den Mädchen und überhaupt, sei einfach so wie du bist, das ist das beste, glaub’s mir!" Dabei fasst er dem einen Mädchen, das gerade ein paar Schritte näher gekommen war, ans Kinn und zeigt sie Ahmed, als wäre sie eine schöne Ananas. Ahmed blickt betreten auf den Boden und fügt schüchtern hinzu:
"Aber ich wollte doch jetzt eigentlich mal den Harten machen."
Jäh in diesem Augenblick juchzt Mehmet entzückt auf, ein Junge aus der restlichen Gruppe.
"Antoni Vivaldi, die vier Jahreszeiten!" Ja, er hatte recht, der Geiger am anderen Ende Bahnhofs war in seinem Repertoire fortgeschritten und spielte nun Vivaldi genauso gnadenlos wie Brahms. "Der Frühling!" setzt Mehmet hinzu, „gleich kommt die Stelle wo die Vögelein zwitschern!“ Nun hält Mehmet gar nichts mehr und er läuft los, den flotten Geiger zu suchen, begleitet von zwei anderen Jungs, und der harte Ahmed schaut hinterher. Mehmet ist, wie er ist und er ist beliebt bei den Mädchen.
Und ich habe einen kleinen Glücksmoment. Das Wort "Vögelein" aus entzücktem jugendlichen Mund hat mich hingerissen und mir trotz Kopfschmerzen den restlichen Tag versüßt.